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Die hier gezeigten “Tuschmalerei”-Bilder entstanden als Auseinandersetzung
mit dreizeiligen Gedichten (Haikus) von Ingo Cesaro (www.ingo-cesaro.de)

 Presse

Manfred Schaller, Ingo Cesaro




Bei jedem Abschied
bleibt etwas zurück. Es wird
Zeit anzukommen.




Ameise rudert
in der Pfütze am Waldweg.
Die Sonne ertrinkt.




Der Haken wandert
im Fischlaib zurück zum Maul.
Es schmerzt beim Lachen.




Wenige Tage.
Die Schönheit der Kirschblüten.
Duft steht in der Luft.




Wenn das Meer atmet
hören wir die Brandung. Bis –
in unsere Träume.




Ein Jahr vergangen.
Was bleibt in Erinnerung?
Nur Augenblicke.




Eine Feder bleibt
mir vom Vogel  in der Hand.
Der Wind wird sichtbar.




Dichte Regenwand
am Fenster. Ich übe das –
Atmen der Fische.




Auf dem Ochsen
sitzt die Fliege. Fest überzeugt
den Wagen zu ziehn.




Ich sehe doch nicht
den Fuji-san. Nur weil ich –
jetzt Haiku schreibe.




Anfrage beim Zoo.
Schickt mir eine Giraffe.
Für letzte Äpfel.




Die  besten Haiku –
sind die nicht geschriebenen.
Sagen Geübte.




Im  Horoskop stand:
Alle Türen stehen offen.
Schlüssel vergessen.




Nördlich liegt mein Ziel.
Den ganzen Tag schon ziehen –
Wolken nach Süden.




Den  blauen Himmel
einfach durchgestrichen. Mit –
zwei Kondensstreifen.




Federn auf dem Kopf.
Herz eines Vogels. Trotzdem –
nicht fliegen können.




Leerzeichen sammeln
Zwischen Worten und Sätzen.
Ein wertvoller Satz.




Hügel besetzt von
gelben Löwenzahnblüten.
Wir ergeben uns.




Suchst vergeblich nach
den Magnolien.
Im Holz des Astes.




Den  vollen Sommer
schuldet die Amsel Miete.
Für das Vogelhaus.




Sonnenuntergang
Möwen überschlagen sich –
und ihre Schatten.




Auf  Komposthaufen.
Gartenabfall. Dazwischen –
`ne Plastikrose.




Behaarte Raupe
schleppt glitzernden Tautropfen
einen Grashalm hoch.




Gestern den Samen
gesät. Ungeduldig schon –
warten wir heute.




Wie die Zeit vergeht.
Für die Schaukel am Obstbaum –
die Beine zu lang.




“Schiffe versenken”
ein harmloses Spiel. Ohne –
Überlebende.




Unbekümmertf fliegt
trotz geschlossener Schranke –
Schmetterlings-Pärchen.




In  Sonnenstrahlen
tanzen viele Staubkörnchen.
Bis in den Himmel.




Ohne Umwege
findet der Stein den Flussgrund.
Warum die Eile.




Aus tausend Silben
siebzehn auswählen. Damit –
die Welt einfangen.




In  kleinen Orten
ersetzt die Trauerkleidung
manchmal die Trauer.




Der Vogelschatten
taucht im Gartenteich unter.
Suche vergeblich.




Die  Vogelscheuche
im Schlafbau. Doch am Morgen –
keine Aufregung.




Unwichtig das Ziel
Überleg nicht lange
Der Weg ist der Sinn.




Ohne Seife schäumt
die Sommerwiese wieder.
Nur Wiesenschaumkraut.




Stundenlang lauscht schon
bewegungslos auf dem Stein –
Zikadenschatten.