pr Kronach

Bild+Text – Sumi-e+Haikus
Ausstellung mit Ingo Cesaro’s Kurzgedichten in der Kronacher Synagoge

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Neue Presse, Kronach, Montag 14, März 2011

Der zweite Blick als Reizpunkt

Eine Ausstellung mit Tuschmalerei von Manfred Schaller ist in der Kronacher Synagoge zu sehen. Ingo Cesaro liefert mit dreizeiligen Kurzgedichten die literarische Vorgabe.
Von Antonia K√ľpferling

Kronach 
Am Samstag wurde in der Kronacher Synagoge eine Tuschmalereiausstellung des N√ľrnberger K√ľnstlers Manfred Schaller unter dem Motto "Es ist Zeit, anzukommen" er√∂ffnet, die in diesem Jahr die neue Kulturreihe des Bezirks "WortSpiele  Literatur in Oberfranken" einl√§utete.

Ingo Cesaro, der mit seinen dreizeiligen Kurzgedichten die literarische Vorgabe zu den Bildern geschaffen hatte, erz√§hlte von seiner Arbeit. Er schreibe seit mittlerweile 40 Jahren dreizeilige Kurzgedichte. Sie basieren auf dem Muster des Haiku, das drei Zeilen mit f√ľnf, sieben und dann wieder f√ľnf Silben umfasst. Wie der K√ľnstler selbst sagt, √ľbernehme er von der japanischen Gedichtform nur die formalen Bedingungen. Denn auch wenn er sich seit vielen Jahren mit Haikus besch√§ftige, glaube er nicht, dass er die hohe Kunst des Haiku bisher in seiner tiefen Bedeutung verstanden habe. "Das Geheimnis der Form ist wohl, dass Japaner nur die ersten beiden Zeilen lesen und die dritte im Kopf selbstst√§ndig erg√§nzen, anstatt sie abzulesen. So tritt jedes Mal mit der Ver√§nderung der letzten Zeile auch eine Ver√§nderung der Aussage des Kurzgedichtes auf, was den Reiz der Haikus ausmacht."

Manfred Schaller schilderte, wie es zu der Verbindung von Lyrik und Tuschmalerei gekommen ist. "Ich habe die Kurzgedichte als Vorgabe genommen und dazu dann meine Bilder gemalt. Wie mit den Haikus ist es auch mit meinen Tuschezeichnungen: Sie haben beim ersten Hinsehen eine klare Bedeutung, wenn man sie allerdings länger betrachtet, bieten sie mehr, als auf den ersten Blick zu sehen ist."

Schaller hat die Technik der Tuschmalerei auf einer Chinareise kennengelernt. Schnell habe er festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, auf diesem Papier zu malen: "Es ist sehr d√ľnn, ungef√§hr so wie Butterbrotpapier. Dazu ist es extrem saugf√§hig, in etwa wie Toilettenpapier." Um gute Ergebnisse zu erzielen, habe er sich erst einmal neue Pinsel zulegen m√ľssen. Alles Weitere sei ein langer Lernprozess gewesen, der noch l√§ngst nicht abgeschlossen ist, denn beim Malen h√§nge viel vom Winkel, der Strichgeschwindigkeit und √Ąhnlichem ab. Au√üerdem werde zum Beispiel die Farbe nicht unbedingt helller, wenn man mehr Wasser dazu nehme.

 

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Die beiden K√ľnstler Manfred Schaller (zweiter von links) und Ingo Cesaro (rechts) im Gespr√§ch mit Odette Eisentr√§ger-Sarter (links) und Peter M. Bannert (zweiter von rechts)

 

Fränkischer Tag, Montag 14. März 2011

Die Ausstellung lädt zum "Ankommen" ein

VERNISSAGE Am Samstag wurde die Präsentation von Manfred Schaller in der Kronacher Synagoge eröffnet.

Kronach  Bis zum 27. M√§rz sind in der ehemaligen Kronacher Synagoge Tuschemalereien des N√ľrnberger K√ľnstlers Manfred Schaller zu sehen  angeregt von dreizeiligen Kurzgedichten von Ingo Cesaro. Veranstalter ist die Regionale Kunstf√∂rderung Kronach. Die Ausstellung wird im Rahmen des Literaturfestivals "Wortspiele  Literatur in Oberfranken" des Bezirks Oberfranken, die "Es wird Zeit anzukommen" hei√üt, durchgef√ľhrt.

Manfred Schaller schuf seine beeindruckenden abstrakten, informellen Bilder in der Technik der traditionellen asiatischen SumieMalerei, gemalt auf originalem Papier mit Pinsel, und Tusche. "Sumi" hei√üt √ľbersetzt "schwarze Tusche" und "e" bedeutet sowohl "Weg" als auch "Malerei". Menschen, die die SumieMalerei beherrschen, malen mit viel innerer Ruhe und meditativer Ausgeglichenheit.

Die im 5. Jahrhundert entwickelte SumieMalerei ist deshalb nicht nur eine Maltechnik, sondern auch eine Art spirituelle Entspannungstherapie. Diese Spiritualit√§t merkt man auch den √§sthetischen Zeichnungen Schallers an, die aus kraftvollen, meist jagenden und schnell hingeworfenen Strichen bestehen. Gerade in der Sparsamkeit der Mittel, wahre Sch√∂nheit der Objekte m√∂glichst einfach und reduziert darzustellen, macht er Bereiche sichtbar, die √ľber das Sichtbare hinausgehen. Durch diese ungewohnte Darstellung entsteht eine Spannung, die dem Betrachter erm√∂glicht, sein altbekanntes Umfeld einmal mit anderen Augen zu sehen.

WortBildKomposition

Schallers Werke sind das Ergebnis interpretativer und meditativer Auseinandersetzung mit den Wortbildern der dreizeiligen Kurzgedichte Ingo Cesaros. Bei ihnen handelt es sich um Ann√§herungen an die traditionellen japanischen Kurzgedichte Haiku und Senryi, durch deren Gegen√ľberstellung, Erg√§nzung und Konfrontation mit den Bildern sich eine vielschichtige WortBildKomposition ergibt.

"Ich lernte Ingo Cesaro vor rund eineinhalb Jahren durch Zufall in meinem Atelier kennen", kam Manfred Schaller auf das Zustandekommen der Ausstellung zu sprechen. "Ich dachte spontan: Das ist eine interessante Idee", meinte er r√ľckblickend. Wie der Schauspieler, Maler, B√ľhnenbildner und Grafiker Schaller ausf√ľhrte, sei f√ľr ihn durch die Begegnung mit Sumie und der chinesischen Kultur bei Besuchen in China eine v√∂llig neue √§sthetische und auch inhaltliche Auseinandersetzung entstanden. "Ich habe mich ein Jahr lang in meinem Atelier verkrochen, um mir die Technik anzueignen. Anfangs war meine Verzweiflung gro√ü. Ich malte bislang ja ganz anders. Meine bisherigen Malerfahrungen bildeten lediglich eine gewisse Grundlage  mehr nicht ", erinnert er sich. Bei der SumieMalerei werde im Unterschied zu anderen Malformen der Pinsel fast senkrecht zum Papier gehalten. "Das Papier ist extrem d√ľnn, aber dennoch saugf√§hig und l√§sst das Wasser weiter laufen als die Tusche", erkl√§rte er.

Gl√ľcklicherweise lie√ü sich der K√ľnstler von den anf√§nglichen Schwierigkeiten nicht entmutigen, sonst k√§men die Kronacher nicht in den Genuss der au√üergew√∂hnlichen Ausstellung.

Der Dritte B√ľrgermeister der Stadt Kronach, Hans Simon (SPD), begr√ľ√üte zahlreiche G√§ste. Landrat Oswald Marr (SPD) dankte dem unerm√ľdlichen Kulturvermittler Ingo Cesaro, durch dessen Engagement immer wieder gro√üartige K√ľnstler nach Kronach k√§men. Ingo Cesaro gab einen √úberblick √ľber die im Landkreis durchgef√ľhrten Veranstaltungen des Literaturfestivals.

hs